• carlotta kolumna

Rückblick auf 25 Jahre Bond-Songs

Aktualisiert: 4. März 2020

„Mein Name ist Bond, James Bond!“ - Na, kommt Dir das bekannt vor? Jeder, der diese Zeilen liest, hat sofort die typische Agenten-Stimme im Kopf. Gleich gefolgt von der eleganten Melodie der Filmmusik, welche sich durch die Filmreihe der letzten Jahre gezogen hat. Die legere Bass-Line kündigt in jedem Bondstreifen den Auftritt des Doppelnullagenten an, welcher sich mit Martiniglas und Charme in die Herzen der Zuschauer eingeschlichen hat. Sobald es Zeit für einen neuen Film wird, leisten nicht nur Trailer und Teaser die Vorarbeit - vor allem die Titelsongs spannen uns auf die Folter, was denn in der kommenden Verfilmung Thema sein könnte. Anlässlich der Ankündigung von Bond 25 „No Time To Die“ blicke ich heute auf meine liebsten Bond-Songs der letzten 25 Jahre zurück - natürlich geschüttelt, nicht gerührt!


Goldfinger als Bösewicht


Den großen Anfang machte Shirley Bassey im Jahr 1964. Goldfinger, der Titel zum gleichnamigen Bondfilm, charakterisiert den Bösewicht im Stil einer schweren Jazzballade. Eingeleitet wird sie durch das Filmmotiv in Moll, welches sich durch den ganzen Film zieht und das Auftreten des Bösewichts ankündigt. Mit einem großen Tonumfang und ruhigem Vibrato erschafft Shirley Wortbilder, die den Antagonisten vor unserem inneren Auge Takt für Takt weiter formen. Das knapp drei-minütige Werk endet in einem fulminanten Schlussakkord in Fortissimo und hält die Spannung, ob Agent 007 seinen Auftrag gegen Goldfinger erfüllen kann, bis zum letzten Ton.


Live and Let Die! - Paul McCartney


Der nächste Meilenstein markierte, meiner Meinung nach, Live And Let Die, geschrieben und aufgenommen von Paul McCartney und seiner Gruppe The Wings. Zusammen hoben sie 1973 die Titelmusik auf ein neues Level: Nun wurden, neben einzeln aufgenommenen Samples, auch orchestrale Einsätze in das Stück integriert. So stark der Kontrast zwischen E-Gitarre und Violine scheint, so groß ist auch der Unterschied der Melodieführung innerhalb des Stücks. Ruhig wird Pauls erste Strophe nur von Piano und Gitarre begleitet - bis er den „Code“ Live And Let Die singt. Plötzlich herrscht Aufbruchsstimmung, aus drei aktiven Musikern werden dreißig und auf die ruhige Strophe folgt eine mitreißende Interlude. Sobald man sich an die rockige Doubletime angepasst hat, wird es kurzerhand wieder ruhig, denn die zweite Strophe wird mit einer Art Reggae-Rhythmus untermalt. Ist das ein bewusster Cut? Oder ist der Hauch von Ironie beabsichtigt? Bevor ich mich für eine Antwort entscheiden kann, übertönt die wiederkehrende Rockpassage meine Gedanken und ich fühle mich wie Mrs. Monnypenny höchstpersönlich. So vielschichtig wie der dazugehörige Film, voller Action, Emotion, Witz und Romantik, so ist auch sein Soundtrack. Er hat die Kraft, 007 ohne jegliche Art von Bewegt Bild in den Gedanken des Hörers in Aktion treten zulassen - dafür verdient er meinen höchsten Respekt!


Writings on the Wall als Bote des Unheils


„Ich möchte spüren, wie Liebe durch meine Adern fließt. Sag mir, ist das der Punkt, an dem ich alles aufgebe?“ - Von James Bond kann dieser Satz wohl kaum stammen. Wir kennen ihn als emotionslosen Agenten, der sich selbst an erster Stelle sieht und für den Romantik ein Fremdwort ist. Doch in Spectre, dem neusten Film der Bondreihe, muss sich unser 007 das erste Mal seiner Vergangenheit und damit seiner Gefühlwelt stellen. Diese unerwartete Wendung in ein melodisches Meisterwerk zu verwandeln, machte sich Sam Smith zur Aufgabe. Entstanden ist dabei Writings on the Wall, aus dem ich auch diese oben genannten Zeilen genommen habe. Der Liedtitel ist ein englisches Idiom, welches auf ein biblisches Motiv zurückgeht. Es bedeutet, dass unübersehbare Anzeichen für ein drohendes und nur schwer abwendbares Unheil erscheinen. Smith präsentiert uns eine Mischung aus gefühlsbetontem Liebeslied und klassischem Bondsong. Er zeigt sich offen in seinen Emotionen und frägt sich, wie wichtig die Liebe in seinem Leben ist und was man dafür aufgeben sollte. Die in F-Moll geschriebene Ballade baut sich bis zum Refrain auf, und nach der Frage „Wenn ich alles riskiere, würdest du mich auffangen?“ bricht das Stück zusammen, als bliebe Smith die Luft weg - überwältigt von den eigenen Emotionen. Mit diesem Meisterwerk bekam er nicht nur einen Oscar, sondern vermittelte auch die Figur des britischen Helden in eine völlig neue Dimension.


Billie Eilish: No Time To Die


Nun heißt es für 2020: „No Time To Die“. Billie Eilish, die neue Hoffnung am großen Horizont der Musiklegenden, hat nun die Aufgabe, dieses Erbe der Bondsongs fortzuführen. Natürlich an der Seite von Hans Zimmer, der seit Jahren die aufregenden Szenen des Doppelnullagenten musikalisch untermalt. Wird sie in ihrem dunkle-gruseligen Stil bleiben? Oder kommt sie mit großen Gefühlen und ruhigen Tönen aus ihrer Komfortzone heraus? Ich hoffte auf einen Stilbruch - ein Song im Billie-Style mit Bond-Wiedererkennungswert: und diesen haben wir bekommen. Mit sanften, einzelnen Klaviertönen leitet FINNEAS, Billies Bruder und Produzent, das knapp vier-minütige Stück ein. Wenn seine Schwester anfängt zu singen, bekommt man sofort ein bedrückendes Gefühl des Liebeskummers. Billie klingt so klar, als würde man direkt neben ihr stehen, während sie die gehauchten Töne mit starken Vibrato singt. Inhaltlich passen sich die Zeilen dem an, was wir auch schon im Trailer erahnen konnten: Es geht weiter in James‘ Gefühlswelt. Seine „love interest“, Madeleine Swan, bringt eine dunkle Vergangenheit mit sich, für die der 007-Agent deutlich in Gefahr kommen wird - weil er seine Gefühle für Mrs. Swan nicht kontrollieren kann. Kurz bevor der Refrain erklingt, ertönt im Hintergrund das typisch-gedämpfte Trompeten-Motiv mit Halbton-Wechsel. Ikonisch geht es weiter, denn mit der passenden Gitarrenmelodie lässt Billie Eilish den emotionalen Refrain erklingen. Insgesamt finde ich ihren Mix sehr gelungen: Zum einen ehrt sie typische Bond-Melodien, wie an Trompete und Gitarre, und erinnert auch mit der Art der gesungenen Zeilen an ihre Vorgängerin Adele. Andererseits erschafft sie durch ihre Stimmfarbe eine völlig neue Klangwelt, die ihr wie auf den Leib geschneidert wirkt.



Von Flüstertönen bis zum gigantischen Finale im Fortissimo, welches mit dem Moll-Major-Bond-Akkord den Song schließt, bietet sie uns einen spannenden Vorgeschmack auf das, was uns ab 2. April auf der Leinwand erwarten wird. Bis es soweit ist, können wir nur abwarten, uns einen Martini eingießen und auf 007 trinken.


-cmk

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