• carlotta kolumna

how to comunicate 101

25. September 2019, 8.12 Uhr: Während die erste Sonnenstrahlen durch den Rollladen in mein Zimmer scheinen, schlage ich die Augen auf. „Happy Birthday, Carlotta!“, sage ich zu mir selbst, während sich in meiner Bauchregion das typische, kribblig-aufgeregte Geburtstagsgefühl breit macht. Wie (fast) jeder andere Millenial auch, greife ich als erstes zu meinem Smartphone auf dem Nachtisch. Logisch, dass für das Wach-Werden nichts besser ist, als ein zu heller Bildschirm voller überdrehter Influencer, die durch ihr Instagram Profil hüpfen. Die ersten Geburtstagsgrüße sind wohl heute Nacht, kurz nach 12 Uhr, schon reingeflattert: Lieb gemeinte Worte, auf welche ein „ich wollte wirklich sichergehen, dass ich auch der erste Gratulant bin“ folgt. An dieser Stelle ein Herzlichen Glückwunsch! an euch Flitzebögen, was auch immer euch diese Tatsache nun bringen mag. Für diejenigen, die meinen Jubeltag nicht im Kalender stehen haben, helfen Facebook und Snapchat aus - auf beiden Plattformen bekommt man morgens eine Benachrichtigung über die jeweiligen aktuellen Geburtstagskinder. Besonders bei Facebook wird es noch einer Stufe einfacher, denn hier können virtuelle, vorgefertigte Geburtstagskarten mit einem Klick verschickt werden, um so dem schlechten Gewissen aus dem Weg zu gehen. Einen Anruf, oder gar ein persönliches „Happy Birthday!“, kam von den wenigsten.


Standard heutzutage?


Auch wenn mich diese Tatsache etwas nachdenklich stimmt, sollte ich mich eigentlich nicht wundern. In der heutigen Zeit ist es inzwischen völlig normal, per Messenger oder Email zu kommunizieren. Egal ob in der Freizeit oder im Büro: „Ich schreib mal schnell ‘ne Mail“ ist ein häufig benutzter Satz in unserem Alltag, ob vom Chef oder mittlerweile auch von der Oma. Jeder kommuniziert übers Internet - soweit, so gut. Aber warum das Ganze? Diese Methoden bringen doch auch eine Reihe Nachteile mit. Im Vergleich zu einem einfachen Anruf ist die meist lange Antwort-Wartezeit für den Absender ein Grund zur Frustration, welche sich oft in Ärger über den Empfänger verwandelt. Zum anderen läuft man beim elektronischen Schriftverkehr oft Gefahr, dass Missverständnisse entstehen. Diesen Punkt will man nun mit den sogenannten Emojis verhindern: das heißt, durch kleine, gefühlsvermittelnde Piktogramme soll die Bedeutung der einzelnen Sätze verstärkt werden. Die Idee ist gut, allerdings hat sich bei den meisten Nutzern der Messenger nun das Gegenteil eingeschlichen. Wenn man aus zeitlichem Stress einmal keine Emojis benutzt, wird man sofort gefragt, ob man schlecht drauf oder gar beleidigt sei. Somit ist das Ziel der Emojis leider nicht erreicht, wenn ihr mich fragt.


Messenger als Versteck


Letztendlich frage ich mich, warum wir unsere zwischenmenschliche Kommunikation überhaupt so einschränken. Natürlich ist das Zeitsparen hier ein treffendes Argument, da eine E-Mail schneller geschrieben ist, als wenn man ein Anruf zuerst terminiert und dann ausführen muss. Viel unangenehmer ist für Absender allerdings der persönliche Aspekt. Denn wir überbringen nicht immer nur gute Nachrichten - oftmals sind es negative Botschaften, deren Reaktion wir ungerne ertragen wollen. Da bietet sich eine WhatsApp-Nachricht natürlich an, um der Mama eine schlechte Note zu beichten und die Krankschreibung mailt man dem Chef, mal schnell eine halbe Stunde vor Arbeitsbeginn. So vermeiden wir die negativen Reaktionen, welche unserem Verhalten geschuldet sind. Ist das wirklich richtig so? Ich denke, die Leute sind nur mehr enttäuscht, wenn man die unangenehmen Nachrichten nicht persönlich überbringt. Denn mittlerweile heißt „Stärke zeigen“, dass man sich in schwachen Momenten nicht versteckt und trotzdem hinter sich selbst steht.


Normalerweise bin ich grundsätzlich für den Wandel der Zeit - insbesondere im Fall der Medien. Allerdings ließ mich dieser Gedankenspaziergang, in diesem Punkt, meine Meinung ändern. Wenn ich etwas auf dem Herzen habe, dann rede ich mit der entsprechenden Person Face-to-Face darüber. Wenn ich für das Geschäft verhindert bin, dann rufe ich meinen Chef an und entschuldige mich. Wir sollten daran denken, dass diese Art von Kommunikation wertvoll für unsere zwischenmenschliche Beziehung ist und zum kollegialen Verhalten dazu gehört. Wenn wir einsehen, dass nicht immer alles auf Anhieb und sofort klappen muss, haben wir meiner Meinung nach den wichtigsten Schritt getan. Denn die Fehler, die uns allen einmal unterlaufen, machen uns schließlich zu Menschen.


-cmk.

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